Sooo groß….

Man tritt ein.
Und plötzlich wird die eigene Stimme kleiner.

Die Scheune des Schwingeler Hofes spannt ihr Dach wie ein umgedrehter Schiffsrumpf über uns. Balken über Balken. Weit. Offen. Fast einschüchternd.

Unten auf dem Boden stehen zwei Menschen und schauen.
Dr. Arno-Lutz Henkel, der Kurator.
Roswitha Schumacher-Kuckelkorn.

Sie wirken für einen Moment wie Spielzeugfiguren. So groß ist das hier. So entschieden. Die Ziegel unter den Füßen tragen noch das Geräusch vergangener Jahre. Schritte. Arbeit. Wetter. Jetzt tragen sie bald Farbe. Keramik. Fotografie. Klang. Geschichten. Vielleicht auch ein paar ratlose Besucher, die den Kopf heben und denken: Oha.

Ein Raum dieser Größenordnung verlangt Haltung. Er fordert Klarheit. Mut. Und ein gutes Maß an Gelassenheit. Wir stehen da und überlegen:
Wie viel Stille braucht so ein Raum?
Wie viel Farbe verträgt er?
Wie lässt man Bilder atmen, ohne dass sie sich verlieren?

Ein großer Ausstellungsraum ist weit mehr als ein leeres Volumen. Es ist ein Resonazraum, der Stille verstärkt, Licht dirigiert und Proportionen in Frage stellt.
Solche Räume sind eine Herausforderung, die Künstler, Kuratoren und Besucher gleichermaßen in einen intensiven Dialog zwingt.

Und genau das reizt.

Denn Kunst will Raum. Nicht nur Wandfläche. Raum zum Gehen. Zum Abstandnehmen. Zum Näherkommen. Ein bisschen Ehrfurcht und Demut ist also erlaubt. Ein bisschen Lampenfieber auch. Aber keine Sorge. Wir bringen keine Zirkusnummer mit. Wir bringen Arbeiten, die stehen können. Die sich behaupten. Die vielleicht sogar das Dach ein wenig zum Schwingen bringen.

Und wir?
Wir stellen uns diesem Raum. Mit Respekt. Mit Humor. Mit einem Maßband in der Hand und leuchtenden Augen.

Sooo groß.

Und genau richtig.

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