Wenn zwei Künstler gemeinsam eine Ausstellung machen, sind sie irgendwann ziemlich nah dran an dem, was sie tun.
Manchmal zu nah.
Dann ist es gut, jemanden dabeizuhaben, der anders schaut. Der Fragen stellt, Zusammenhänge sieht und gelegentlich an einer Stelle stehen bleibt, an der wir längst weitergegangen wären.
Bei Farbe berührt ist das Dr. Arno-Lutz Henkel.
Er ist Kunsthistoriker, Theologe und katholischer Priester. Eine Mischung, die wir für unsere Ausstellung ziemlich spannend finden. Denn ihn interessiert nicht nur, was an den Wänden hängt oder auf einem Sockel steht. Ihn interessiert auch, was zwischen einem Werk und dem Menschen davor geschieht.
Seit Beginn begleitet er unsere Arbeit. Er schaut, fragt, denkt mit und widerspricht uns auch einmal. Dabei hilft er uns, den Blick auf etwas zu behalten, das uns bei Farbe berührt wichtig geworden ist: Kunst soll niemanden vor der Tür stehen lassen.
Wie er selbst darüber denkt, kann er allerdings viel besser erzählen:

FARBE BERÜHRT
Viele mögen denken: Kunstausstellungen, das ist nur etwas für Insider. Für Kulturbegeisterte und Schöngeister, für Intellektuelle und Kunsthistorikerinnen.
Doch was geschieht, wenn wir in diesem Satz das Wort „nur“ durch „auch“ ersetzen?
Dann ist ein erster Schritt getan. Aus einer Grenze wird eine Einladung.
Farbe berührt führt in eine Welt der Farben, die gemalt und in Fotografie übersetzt werden. Sie gewähren neue Einblicke in das Außen der Welt und in das Innen unseres Lebens. Und sie lassen uns mit unseren Sinnen sehen – längst nicht nur mit den Augen.
Die Einladung lautet deshalb: Lass dich berühren vom Blick der Kunstschaffenden, der dir in ihren Werken begegnet.
Auch die Keramik gehört dazu. Ihre Erdenschwere und ihre manchmal ungelenken Formen lassen sich mit den Händen erfahren. Vielleicht kann man darin sogar eine Verheißung entdecken: die Möglichkeit einer Wandlung ins Leichte und Tragende.
Bring dich selbst mit. Deine Geschichte, deine Möglichkeiten und das, was dich gerade beschäftigt.
So kann ein Dialog entstehen. Malerei, Fotografie und Keramik erzählen Geschichten und laden dazu ein, diese weiterzuerzählen.
Denn Kunst ist viel mehr als das, was sich in Museen, Galerien und auf dem Kunstmarkt zuträgt. In ihr findet der menschliche Wunsch Ausdruck, sich der Welt mitzuteilen, Erfahrenes zu deuten und Ersehntem eine Form zu geben.
In der Begegnung mit der Kunst anderer werden wir dabei manchmal zu Fährtenlesern des Lebens. Wir entdecken Farben, Formen und Stoffe, begegnen ihren Geschichten – und womöglich auch unserer eigenen.
Pfarrer Dr. Arno-Lutz Henkel, M.A. (dupl.)
Kooperator im Past. Raum Bad Neuenahr-Ahrweiler
