Wir sitzen im Atelier und spüren, wie Farbe leise in die Stunden rinnt. Sie legt sich auf die Dinge, auch auf die Allerkleinsten. Menschen, die schauen, blicken oft nur an der Oberfläche entlang. Ihr Blick huscht. Das Auge trägt Eile mit sich. Vieles bleibt übersehen wie eine Spur im Sand, die nur im sanften Winkel des Lichts aufscheint.

Farbe berührt möchte davon erzählen. Jeder Ton eine zarte Einladung. Eine Andeutung. Ein Wispern. Manchmal reicht ein Blau am Rand eines Bildes und ein Tag hebt sich an wie ein Vorhang. Dort beginnt das, was so viele Menschen übergehen. Es wächst in der Stille. Es kennt keine Bühne und auch kein Drängen. Es sitzt einfach da und wartet wie ein stiller Freund auf der Bank im Park.
Friederike, eine geübte Schutzengelin, taucht oft am Rand der Gedanken auf. Sie lächelt, wenn ein Besucher vor einem Bild stehen bleibt und den Atem etwas tiefer holt. Es entsteht ein Denkgefühl, das leicht schaukelt. Fast wie eine Schale aus der Keramik-Werkstatt. Rau, warm, voller innerer Landschaften. Ein Ding für einen Moment, der Halt schenkt.

In solchen Augenblicken beginnt das Wesentliche zu sprechen. Es flüstert nicht laut. Es trägt eine feine Spur von Alltag. Der Duft von Kaffee. Ein Schatten, der über einen Becher gleitet. Die Farbe einer Wolke am Morgen. Das sind Zeichen, die Leben ordnen. Sie richten einen Menschen sanft neu aus.
Ein Text kann Ähnliches. Eine kleine Geschichte öffnet Türen, ohne sie zu benennen. Sie legt sich uns in den Arm, wenn wir uns im Gedankenmeer verlieren. Sie zeigt Wege, ohne Landkarten zu malen. Sie macht Mut durch ihre Schlichtheit. Durch ihr Gewebe aus Sinn und Klang. Ein Satz gleitet ins Innere und bleibt dort wie ein warmer Kiesel.
Die Ausstellung Farbe berührt möchte zu dieser Art Schauen einladen. Sie will Räume bereithalten, in denen ein Besucher sich sammeln darf. Er kann Farben folgen, die singen. Er kann Linien erkennen, die atmen. Er erkennt Stimmungen, die in der Luft schweben. Jede Arbeit erzählt etwas über Sehnsucht, über innere Ordnung, über die Gabe des langsamen Hinschauens.
Wer diese Räume durchwandert, spürt am Ende eine heilsame Klarheit. Aus ihr wächst ein leiser Kompass für das eigene Leben. Ein Kompass aus Farbe, Gefühl und Einkehr. So wirkt Kunst als Hilfe und Erinnerung. Sie führt uns zurück zu dem, was im Verborgenen glänzt.
