In Kunstausstellungen spielt Licht eine stille Hauptrolle. Besucher merken es meist erst, wenn es fehlt oder zu viel sagt. Ein gut gesetzter Spot verwandelt das Kunstobjekt in einen Blickanker und jede Farbe erhält ihren Auftritt. Genau darum hält unsere ausgewählte Leuchte nun das Zepter für die Keramiken. Sie wirkt wie ein schlanker Kompass aus Metall und zeigt an, wohin die Aufmerksamkeit wandern soll.

Eine gelungene Inszenierung formt das Denken durch gezielte Blickführung,, durch Spannung zwischen Hell und Dunkel, und durch das feine Schweben zwischen Nähe und Distanz. Der Lichtkegel setzt keine dramatischen Gesten. Eher einen einen zarten Schatten. Er führt sanft, fordert das Auge auf, Form und Farbe klarer zu sehen.
Farben verändern ihren Charakter, sobald ein Lichtfaden sie berührt.
Farben reagieren empfindlich auf jede kleine Verschiebung. Ein Rot wirkt unter warmem Licht wie ein stilles Glühen. Unter neutralem Licht zeigt es seine innere Struktur. Blau liebt klare Strahlen, denn sie heben die Tiefe hervor. Keramik mit rauer Oberfläche verlangt nach einem tangentialen Streiflicht.
Das Schwierige liegt im Suchen nach dem einen Punkt im Raum, an dem die Leuchte ihren Auftrag erfüllt. Verschiebt man sie einen Fingerbreit, verändert sich der Charakter des Objekts. Jede Farbnuance tanzt anders. Jedes Relief erzählt eine neue Version seiner Form. Wir wandern für die Ausstellung mit dem Spot durch die Räume, probieren Positionen aus und wundern uns darüber, wie launisch Farben auf eine unscheinbare Bewegung reagieren.
