Postkarten

Reste alter Bilder kennen keine Eile. Sie liegen da. Warten. Zwischen zwei Entscheidungen. Zu klein für die Wand. Zu eigen für den Müll. Ich habe sie ernst genommen, nicht entsorgt. Aber neu zusammengefügt. Jetzt liegt das Ergebnis in meiner Handfläche. Fast beiläufig.

Eine Postkarte.

Sie tut etwas, was große Arbeiten oft verlernen: Sie geht mit. Sie verschwindet nicht im Raum. Der Preis? Nebensache. Der Maßstab? Verschoben. Hier wird nichts heruntergebrochen. Hier wird verdichtet. Jede dieser Karten trägt eine Vergangenheit, die nicht abgeschlossen wurde. Ein ehemaliger Geistesblitz. Ein Farbrest, der sich weigert, still zu sein. Jetzt spricht er. Leiser vielleicht. Aber direkter.

Der Besucher greift zu. Jeder liebt Postkarten, obwohl wir sie schon lange nicht mehr versenden.
Widerstand wird wach. Ist das Kunst? Oder nur ein Fragment? Nein:

Eine Postkarte.

(TG)

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