Über das, was unsere Ausstellung Farbe berührt so besonders macht, reden wir am liebsten gar nicht. Wirklich. Wir haben es versucht. Es klang sofort nach Broschüre.
Also machen wir das, was wir können: Wir zeigen unsere Arbeiten. Roswitha Schumacher-Kuckelkorn bringt ihre Malerei an die Wände, ich hänge Fotografien daneben und stelle Keramiken dazu.
Dann kam dieser Ort ins Spiel. Die Städtische Galerie im Schwingeler Hof. Und die Stadt Wesseling sagte: Macht mal. Wir trauen euch.
Das ist der Moment, in dem man kurz innehält. Und dann beschwingt weitermacht. Irgendwann fragte jemand, ob wir QR-Codes einsetzen. Wir sagten ja. Warum auch nicht. Kleine Quadrate, die Dinge erzählen. Harmlos. Fast schon langweilig. Und dann kippte etwas ganz leise.
Die QR-Codes bekamen Gesellschaft. NFC-Tags. Winzige Chips. Man hält das Smartphone hin, und sie flüstern los. Keine App-Orgie, kein Technikzirkus. Ein kurzes Berühren reicht.
Hinter diesen unscheinbaren Dingern liegen Texte. Keine Erklärungen im üblichen Sinn. Eher kleine Nebenräume. Geschichten, die dicht an den Arbeiten sitzen. Sie lösen sich beim Hören und wandern in den Kopf des Besuchers. Dort passiert etwas Eigenartiges: Das Bild entsteht noch einmal. Anders. Persönlich. Vielleicht sogar genauer.
Menschen, die nicht sehen, hören plötzlich Bilder. Menschen, die sehen, hören plötzlich genauer. Und dann stehen sie nebeneinander und reden. Miteinander, nicht übereinander. In aller Ruhe über das, was gerade in ihnen entstanden ist.
Das ist kein pädagogisches Konzept. Es ist eher ein Zufall, der gut ausgegangen ist.
Man könnte jetzt sagen: inklusiv.
Man könnte aber auch einfach sagen: gemeinsam.
Wir haben nie geplant, inklusiv zu sein. Wir wollen nur niemanden vergessen.
Die Galerie hilft dabei. Kaum Hindernisse. Türen, die auch einen Rollstuhl durchlassen. Ein öffentlicher Raum, der sich benimmt wie ein Gastgeber und nicht wie ein Türsteher. Und plötzlich ist etwas da, das andere mühsam planen. Hier steht es einfach im Raum. Wie ein Tisch, an dem genug Platz ist.
Das gleiche Spiel beim Thema Nachhaltigkeit.
Ein großes Wort. Es trägt gern schwere Schuhe und macht Lärm beim Gehen.
Unsere Arbeiten kommen leiser daher.
Kunst sammelt. Seit jeher.
Sie hebt auf, was sonst durchrutscht.
Ein Rest Farbe. Ein Stück Ton. Ein Motiv, das schon einmal da war und jetzt wieder auftaucht, leicht verschoben, wie eine Erinnerung, die sich neu sortiert.
Nichts daran ruft laut: Seht her, ich bin nachhaltig.
Es passiert einfach.
Vielleicht liegt darin der ganze Witz.
Während draußen Begriffe verhandelt werden, haben wir längst damit gearbeitet. Ohne Etikett. Ohne Absicht, jemandem etwas zu beweisen.
Ein Freund fragte neulich, was denn nun das Besondere an der Ausstellung sei.
Wir haben kurz überlegt.
Dann haben wir auf die Arbeiten gezeigt.
Er hat genickt.
