TG-M-3

Ein Atem

Ganz dicht halte ich meine Wange
an deine.

Rieche die Farbe der Liebe.

Leise, ganz leise
höre ich das Singen der Sinne.

Langsam drehe ich den Kopf,
berühre dich mit meinen Lippen,
flüstere in deinen Mund.

Du antwortest in mich hinein
und unsere Worte verbinden sich,
umschlingen sich und lachen,
steigen hoch
und zittern vor Glück.

Bildbeschreibung (hier klicken)

Die Liebenden

Das Werk ist überraschend klein. Die eigentliche Malerei besitzt ungefähr das Format einer Visitenkarte. Zwei menschliche Profile füllen fast vollständig diese winzige Bildfläche. Ein gelbes Gesicht wendet sich von links einem blauen Gesicht zu, das ihm von rechts entgegenkommt. Die beiden Köpfe berühren sich beinahe. Zwischen Stirn, Nase und Mund bleibt nur ein schmaler Zwischenraum.

Die Darstellung verzichtet weitgehend auf anatomische Einzelheiten. Wenige Konturen und Farbflächen genügen, um aus Gelb und Blau zwei Menschen entstehen zu lassen. Gerade diese Reduktion gibt dem Bild seine Nähe. Die Gesichter wirken weniger wie Porträts zweier bestimmter Personen als wie zwei Wesen, die für einen Augenblick ganz aufeinander bezogen sind.

Gemalt wurde das Bild mit Aquarellfarben von A. Gallo aus Assisi. Die Manufaktur arbeitet mit traditionellen Pigmenten und historischen Verfahren der Farbherstellung. Dadurch erhält die kleine Arbeit eine materielle Verbindung zu einer weit älteren Geschichte der Malerei. Besonders Gelb und Blau besitzen eine starke Leuchtkraft. Die Farbe beschreibt dabei nicht bloß die beiden Figuren. Sie wird selbst zu deren Identität: Der eine ist Gelb, der andere Blau.

Bemerkenswert ist das Verhältnis zwischen Bild und Rahmen. Der kleinen, stillen Malerei steht ein mächtiger vergoldeter Rahmen aus der Barockzeit gegenüber. Seine plastischen Ornamente, seine Tiefe und sein Gold gehören einer Bildkultur an, die Repräsentation und Kostbarkeit sichtbar zelebrierte. Im Zentrum dieses historischen Prunks sitzt nun ein Bild, das kaum kleiner und schlichter sein könnte.

Gerade dieser Gegensatz verändert beide. Der barocke Rahmen macht aus der winzigen Malerei etwas Kostbares, während das kleine Bild dem großen Rahmen seine ursprüngliche Feierlichkeit ein wenig entzieht. Gold, Ornament und Geschichte umgeben am Ende etwas sehr Einfaches: zwei Menschen, die einander nahekommen.