
Das letzte Licht
Jeden Abend gingen nach und nach die Lichter aus. Zuerst beim Bäcker, dann in der Schule, später im Gasthaus. Irgendwann lagen die Straßen der ehrwürdigen Stadt am Rande der Welt dunkel da, und aus den Häusern drang nur noch das Knacken alter Balken.
Nur ganz oben in einem der dunklen Häuser brannte noch Licht.
Eine verhüllte Figur, noch spät unterwegs, blieb davor stehen und schaute neugierig nach oben. Über einem Fenster lag ein heller Schein. Das warme Licht gefiel ihr. Es zog sich wie ein heller Streifen über die dunklen Mauern.
Am nächsten Abend kam sie wieder vorbei. Das Licht brannte noch immer.
Von da an nahm sie manchmal den längeren Weg nach Hause.
Nur um zu sehen, ob noch jemand wach war.
Beschreibung
Dieser Becher wirkt zunächst schwer und geschlossen. Sein dunkler Körper steigt beinahe senkrecht aus einem kleinen Fuß auf. Die Oberfläche wurde mit deutlichen Schnitten bearbeitet. Unter den Fingern wechseln sich Flächen, Kanten und kleine Vertiefungen ab. Die Hand findet deshalb beim Umfassen immer wieder neue Stellen.
Erst am oberen Rand öffnet sich der Becher auch optisch. Dort trifft der fast schwarze Ton auf eine helle, warme Glasur. Sie liegt wie ein schmales Band um die Öffnung und läuft stellenweise über die Kante. Das Dunkle endet also weder sauber noch regelmäßig. Beide Bereiche greifen ineinander.
Beim Trinken begegnen sich die Gegensätze unmittelbar: Die Hand hält den rauen, dunklen Körper, während die Lippen den glasierten Rand berühren. Gerade dieser Unterschied gehört zum Becher. Man erfährt ihn weniger mit den Augen als im Gebrauch.
