
Der Besuch
Eines Morgens bekam ein Berg Besuch. Eine winzige Blume war den weiten Weg aus dem Tal heraufgekommen. Wie sie das geschafft hatte, wusste sie selbst nicht mehr. Nun stand sie vor dem dunklen Berg und sah hinauf zu seinem weißen Gipfel.
„Du bist aber groß“, sagte die Blume.
„Und du bist sehr klein“, antwortete der Berg.
Das stimmte. Also schwiegen beide eine Weile.
Oben begann der Schnee zu schmelzen. Ein schmales weißes Rinnsal löste sich vom Gipfel und lief über den schwarzen Fels hinab.
„Bleibst du ein bisschen?“, fragte der Berg.
Die Blume suchte zwischen seinen dunklen Steinen einen Platz für ihren dünnen Stängel. Der Berg rückte seine Felsen ein wenig zusammen und hielt sie fest.
So standen sie da. Ein großer dunkler Berg mit Schnee auf den Schultern und eine Blume, die beinahe niemand sehen konnte.
Beschreibung
Diese kleine Vase besitzt die Geschlossenheit eines Steins. Der dunkle Ton wurde mit kräftigen Schnitten bearbeitet, sodass eine unregelmäßige Oberfläche aus Flächen, Kanten und Vertiefungen entstanden ist. Sie lädt die Finger dazu ein, ihrer Form langsam zu folgen.
Am oberen Teil verändert sich das Gefäß. Eine helle Glasur legt sich über die dunkle Oberfläche und fließt an einigen Stellen nach unten. Dadurch entsteht der Eindruck von Schnee, der auf einem dunklen Berghang liegen geblieben ist. Die unregelmäßige Öffnung verstärkt diese Ähnlichkeit und lässt an die Grate eines Berges denken.
Die Vase ist sehr klein und für wenige, feine Blumen gedacht. Gerade dadurch verändert sich ihre Wirkung im Gebrauch. Eine einzelne Blüte steht hier weder verloren noch als Dekoration. Gefäß und Blume teilen sich den Raum.
