TG-M-2

Zwei Türen

Um in die Städtische Galerie im Herrenhauses des Schwingeler Hofs zu kommen, gibt es zwei Türen. Sie liegen sich gegenüber – nur wenige Meter voneinander getrennt. Trotzdem habe ich manchmal den Eindruck, dass sie in verschiedene Welten führen. Dabei gelangen am Ende alle Besucher in dieselbe Ausstellung.

Dort hängen die Werke in aller Farbenpracht an den Wänden. Einige Bilder erzählen zusätzlich Geschichten oder man kann Lieder abrufen, die nur für das jeweilige Kunstwerk erschaffen wurden.

Ich stehe gern eine Weile abseits und schaue zu.

Einige Besucher betreten die Ausstellungsräume zügig. Ihr Blick wandert bereits über die Wände, bevor die Jacke ausgezogen ist. Andere bleiben gleich hinter dem Eingang stehen. Sie lassen den Raum erst einmal auf sich wirken, als müsste er sie begrüßen. Später wiederholt sich dieses kleine Schauspiel vor den Bildern.
Eine Besucherin folgt den QR-Codes und liest aufmerksam jeden Text. Ein Mann daneben schaut kaum hin. Zwei Räume weiter summt jemand leise eine Melodie mit, die zu einem Bild gehört. Ein anderer schüttelt den Kopf und geht in aller Eile weiter. Früher hätte ich versucht, dieses Verhalten zu verstehen. Heute sehe ich darin noch nicht einmal einen Widerspruch.

Vielleicht verhält es sich mit Kunst genauso. Manche finden ihren Weg über einen Gedanken. Andere über einen Ton. Wieder andere über Farben oder Strukturen, für die sie gar keine Worte haben. Und einige finden sich überhaupt nicht zurecht.

Mich interessiert längst nur noch, dass alle Türen offen stehen.

(T. G.)

Eine avantgardistisch musikalische Annäherung an das Werk: Drag Queen:

Text

The last note
is still
in the room.
Nobody
claps anymore.
A glass of water.
Half full.
The mirror
is waiting.
So am I.

The red
comes off
slowly.
Blue
stays
a little longer.
One light
One light
goes out.
Another
doesn’t.

Every day wears another face.
Every night knows my name.
Tomorrow belongs to daylight.
Tonight I sing for me.

The wig
returns
to its stand.
The brush
rests
in the jar.
Water
turns
slightly red.
The room
grows larger
without
the applause.

The door
is still
the same.
Only
Only
I
have changed.

Eine spielerisch musikalische Annäherung an das Werk: Drag Queen:

Text

Die letzte Note klingt noch nach,
das Licht wird leis und klein.
Ich häng die bunten Träume auf,
bis morgen dürfen sie sein.

Der Spiegel kennt mein altes ICH,
er winkt mir still zurück.
Er weiß, die Nacht vergeht ganz leis
und lässt mir etwas Glück.

Jeder Tag
hat seine Farben.
Jede Nacht
ihr eigenes Licht.
Morgen wart’ ich
auf den Abend.
Heute singe ich
nur für mich.

Ich wisch den roten Mund ganz ab,
das Blau bleibt still im Blick.
Der Pinsel ruht,
das Wasser steht,
der Spiegel schweigt zurück.

Die Perücke wartet
auf ihren Platz.
Der Morgen trägt sein Kleid.
Der Abend kennt
den Weg zu mir
und bringt die Farben heim.

Der Abend öffnet
nur die Tür.

Hindurch geh ich
als ich.