Begegnungen

Bewegte Bilder von der Vernissage FARBE BERÜHRT (Video: Christoph Kuckelkorn)


Das war eine gute Ausstellung

Am heutigen Sonntag, den 11. Oktober, besuchte uns eine Gruppe des Kölner Blinden und Sehbehindertenvereins unter der Leitung der Vorsitzenden Marisa Sommer.

Dabei kam es zu einem längeren Gespräch mit dem Künstler Rüdiger Bergmann und seiner Frau. Es ging um das abstrakte Bild „Gewittersturm“ von Roswitha Schumacher-Kuckelkorn. Rüdiger Bergmann konnte das Bild vor sich sehen, seine blinden Gesprächspartner kannten es durch die Geschichte zum Bild und durch ihre eigene Vorstellung.

Sie unterhielten sich über Farben und darüber, was auf dem Bild zu erkennen oder zu erahnen ist. Dabei lagen ihre Vorstellungen erstaunlich nah beieinander. Nach einer Weile spielte es kaum noch eine Rolle, wer das Bild tatsächlich sehen konnte und wer es sich vorstellte. Alle sprachen über dasselbe Bild.

„Es ist egal, womit Sie sehen, mit den Augen oder mit dem Gedanken, wenn nur eine gute Geschichte dahinter steckt“, sagte Marisa Sommer.

Für sie gehört genau das zur Inklusion. Menschen mit und ohne Behinderung sollten gleichrangig an einer Kunstausstellung teilnehmen und sich über das austauschen können, was sie dort erfahren. Das Gespräch vor dem Gewittersturm zeigte ziemlich unmittelbar, wie das aussehen kann.

Mehr als 70 Menschen kamen an diesem Sonntag in die Wesselinger Galerie. Wieder war viel los, und wieder blieb für einige Gespräche weniger Zeit, als wir uns gewünscht hätten.

Als Marisa Sommer später auf ihren Besuch zurückblickte, sagte sie einen Satz, über den wir uns sehr gefreut haben:

„Das war eine gute Ausstellung.“


Als die Türen aufgingen

Über 140 Menschen kamen am 2. Oktober zur Vernissage. Irgendwann war die Galerie voll, später auch der Nebenausgang. Draußen wurden Tische aufgestellt, drinnen standen Menschen vor Bildern, Keramiken und voreinander.

Mehr als die Hälfte unserer Gäste ließ sich auf die Geschichten zu den Werken ein und folgte ihnen für eine Weile in eine andere Wirklichkeit. Es wurde geschaut und gehört, gelesen und berührt. Und geredet. Über Bilder, über Geschichten und darüber, was jeder darin gefunden hatte.

Der Bürgermeister wollte zur Eröffnung sprechen und blieb den ganzen Abend.

Auch der WDR kam zur Vernissage. Wenige Tage später griff Westart FARBE BERÜHRT als Kulturthema auf und stellte die Ausstellung als einen Ort vor, an dem Kunst über verschiedene Sinne erfahrbar wird.

Eine Anekdote am Rande

Auf einer Stele mitten im Hauptraum befindet sich eine hölzerne Hand mit beweglichen Fingern. Im Gedränge fiel sie immer wieder herunter, wurde aufgehoben und zurückgestellt. Erst ordentlich, dann etwas freier.

Bald formten Besucher ihre Finger immer wieder neu und hatten ein höllisches Vergnügen daran, das Werk weiterzubauen.

Für diesen Abend hatte die Ausstellung plötzlich eine ganze Reihe neuer Künstler.

Es wurde geschaut, gehört, geredet und gestaunt. Manche kamen wegen der Fülle gar nicht mehr hinein. Und irgendwann bemerkten wir, dass einige kleine Werke ebenfalls ihren Weg durch die offenen Türen gefunden hatten. Offenbar hatten sie jemanden so sehr berührt, dass der Abschied schwerfiel. Nun ja. Wir verbuchen es unter einem etwas eigenwilligen Kunstverständnis.

So war dieser erste Abend. Ein wenig zu voll. Ein wenig unübersichtlich. Und ziemlich lebendig.

Farbe berührt im Visitenkartenformat

Eigentlich sind Visitenkarten dazu da, Namen, Telefonnummern und Internetadressen weiterzugeben. Unsere können ein bisschen mehr.

Roswitha malt auf ihre Karten kleine Farbwelten, Landschaften und Spuren. Bei Torsten entstehen Blumen, Figuren, seltsame kleine Wesen und Zeichnungen, die manchmal nur aus ein paar Strichen bestehen. Jede Karte ist ein Original. Manche sorgfältig gemalt, andere schnell hingeworfen, wie eine kleine Notiz aus der Werkstatt.

Sie liegen einfach auf dem Tisch. Zum Anschauen, Aussuchen und Mitnehmen. Niemand muss fragen. Niemand führt Buch. Schon während der Vernissage fanden so mehr als 200 kleine Kunstwerke ein neues Zuhause.

Und weil uns der Gedanke gefällt, kommen immer wieder neue dazu. Wer die Ausstellung besucht, darf also ruhig zugreifen.